Neues Jahr, neues Glück?

Veröffentlicht am Do., 29. Dez. 2016 15:40 Uhr
Theologie
Gedanken zur Jahreslosung 2017 von Pfarrer Stephan Schaar


Jahreslosung 2017 (© Angelika Litzkendorf -Motiv-, www.oeab.de -Text-)Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. - Ezechiel 36,26


“Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.” - Nein, das ist dann doch ein wenig zu platt.

Bei “Herz” denken wir zwar an Gefühle; aber das ist in der Heiligen Schrift durchaus anders. Da ist das Herz das, was für uns das Hirn ist: die Denk-Zentrale.

Und was ist mit dem Geist?

Da mag man schon mit mehr Berechtigung an so etwas wie “neu geboren” denken: neu ausgerichtet, auf Gott eingestellt.

So orientiert, gibt es die Chance, es im neuen Jahr einiges anders und vielleicht sogar besser zu machen.

Was alles?

Nun, viele nehmen sich da Jahr für Jahr ja etliches an guten Vorsätzen vor (was - im Vergleich zum Sport - oftmals an einen Sprint erinnert, nicht an ein Langstreckenrennen).

Im Reformations-Jubiläumsjahr 2017 liegt der Gedanke nahe, die Kirche besser zu machen - Stichwort: “Reformprozeß”; obwohl der schon beinahe ein alter Hut ist.

Ich schenke euch... Wir können uns glücklich schätzen, daß Gott uns mehr als einmal ein so großzügiges Geschenk macht: die ganze Schöpfung und alles, was darinnen ist. Da muß man dann gar nicht weiter fragen, warum er das tut.

Oder sollten wir das vielleicht doch tun?

Wir könnten dann womöglich feststellen, daß es in erster Linie einmal nicht um uns geht, sondern um Gott selbst.

Er tut das nämlich um seinetwillen, daß er uns ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt. Denn um seines heiligen Namens willen will Gott uns anders haben als wir sind. Seinetwegen sollen wir uns anders verhalten. Weil er es nicht mehr aushalten kann, wie wir mit dem, was ihm heilig und kostbar ist, umgehen.

Das mag zunächst überrachen, zugegeben.

Und doch: Auch wenn wir Menschen Gott und seine Schöpfung verletzt haben, wenn wir sein Wort und sein Recht mißachten, beschließt er nicht, uns aufzugeben - “nie wieder”, hat er versprochen, als die Sintflut vorüber war.

Statt dessen entscheidet Gott sich dafür, etwas Neues in uns hineinzulegen und damit die Chance zu eröffnen, noch einmal “von vorn zu beginnen”. Ist das nicht genau so, wie so mancher es als Wunsch kundtut - nach dem Motto: “Wenn ich nur so könnte, wie ich wollte, ich würde...”?

An uns und an dem, wie wir unser Leben gestalten, soll nämlich die Schönheit und die Heiligkeit Gottes selbst abzulesen sein. Was für eine Ehre! Was für eine Würde!

Aber dem werden wir in keiner Weise gerecht, schimpft der Prophet Ezechiel – und der ist alles andere als zimperlich. Statt dessen haben wir den Namen Gottes entweiht und rennen lieber „Schietgötzen“ hinterher, nehmen Gleichgültigkeit, Verrohung und Zerstörung in Kauf; verlernen, zu achten und zu schützen, was in uns und in jedes Geschöpf an Würde hineingelegt wurde.

Aber Gott will diese Verkehrung nicht länger mit ansehen, weil sie sich auch gegen seinen Namen richtet.

Indem er sozusagen die “Reset”-Taste drückt und uns mit einem neuen Denken und neuen Fühlen ausstattet, verschafft Gott sich selbst - und damit auch uns - neues Ansehen, der gütige Schöpfer, der, selbst wenn er an uns leiden muß, es ohne uns auch nicht aushält.

Das Reformations-Jubiläumsjahr 2017 könnte eine Zeit der Veränderung und Erneuerung einleiten – für jedeN einzenlenN von uns, für unsere Kirche insgesamt und natürlich dann auch für die Welt, in der wir leben und unserem Glauben Gestalt geben -, wenn wir denn Gebrauch machen von Gottes Gaben: dem neuen Herzen und dem neuen Geist.

Bildnachweise: