2017 - 500 Jahre Kirche der Reformation

Veröffentlicht am So., 8. Jan. 2017 17:44 Uhr
Theologie

Jetzt ist es da: Das Reformations-Jubiläums-Jahr.

Ich möchte die Vokabel “Jubiläum” hier zunächst neutral gebrauchen - also nicht, um von vornherein zu bekunden, dass es da etwas zu feiern gibt, sondern erst einmal lediglich, um auf eine runde Zahl aufmerksam zu machen. Die - immerhin - hat es in sich: Nun also gibt es “uns” schon ein halbes Jahrtausend!

Wenn ich “uns” sage (und damit die “Kirchen der Reformation” meine), dann ist das aus meiner Sicht allerdings durchaus ein Grund zum Feiern. Nicht weil die Spaltung der abendländischen Christenheit etwas Begrüßenswertes wäre, sondern weil es auf diese Weise zwar keine runderneuerte, aber eben doch (daneben, auch) die neue Kirche gab (und noch immer gibt), die sich auf ihre / unsere Wurzel besonnen hat und sich allein auf Jesus Christus gründet, allein die Heilige Schrift als maßgeblich betrachtet, allein auf den Glauben vertraut, sich allein Gottes Gnade verdankt.

Diese erneuerte, eben reformierte Kirche kann nun allerdings nicht auf der Stelle stehen bleiben, denn Reformation ist nicht allein ein historisches Datum, sondern ein fortwährender Prozess: “Ecclesia reformata semper reformanda” (Die erneuerte Kirche ist eine, die sich stets erneuern muss.)

Deswegen ist es mir wichtig, das Betrachten dessen, was seit 1517 kirchlich, politisch und kulturell geschehen ist, nicht auf den Namen einer einzigen Person zu verengen - auch wenn es ohne den Mut des Mönches aus dem Mansfelder Land jedenfalls anders gekommen wäre.

So zitiere ich zunächst die “9,5" Thesen des reformierten Theologen Achim Detmers*, um Ihnen anschließend ein kleines Gedicht anzubieten, das Ihnen beides bescheren möge: Stoff zum Schmunzeln und zum Nachdenken.


9,5 Thesen

  1. Reform(ation) baut auf vorherige langfristige kritische Entwicklungen auf
  2. in Kirche und Gesellschaft.
  3. Sie wird forciert durch neue, nicht vorhersehbare, emergente und genuine Antriebsenergien, die systemsprengend wirken.
  4. Sie geschieht nicht durch eine einzige Person,
  5. sie braucht aber eine Symbolfigur bzw. eine Symbolaktion,
  6. eine normative Mitte
  7. und eine geistliche Beheimatung
  8. sowie eine deutlich sichtbare Änderung in der äußeren Erscheinung.
  9. Die Umsetzung erfolgt dann recht langsam und ungleichmäßig.

*aus: 2017 Nach Gottes Wort reformiert – Magazin zum Reformationsjubiläum, herausgegeben vom Reformierten Bund Deutschland, der Evangelisch-reformierten Kirche, der Lippischen Landeskirche sowie der Reformierten Kirche des Kantons Zürich



Luther: “Mein Dampf”

Ich habe auf den Kaiser und den Papst geschissen
(das ist derweil ein halb’ Jahrtausend her,
deswegen stinkt der Furz von einst heute nicht mehr)
und mich berufen ganz allein auf das Gewissen.
Ich hab ins “Deutsche” uns die Bibel übersetzt,
(ihr ehrt mich so, als hätt’ ich sie geschrieben,
apostelgleich die Leut’ mich dafür lieben)
das Wort als Waffe für den Kampf gewetzt.
Wer gläubig lernen wollte, konnt’ jetzt endlich lernen
(die Juden nehm’ ich freilich davon aus,
und auch der Bauern Rotten waren mir ein Graus).
Was feiert Ihr mit allem Pomp in diesem Jahr?
Wer von euch weiß denn überhaupt noch, was das war:
“Reformation” - warum nur musstet ihr euch so entfernen?


Gott befohlen!
Ihr Pfarrer Stephan Schaar

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