Wenn Orgeln reisen könnten

Veröffentlicht am So., 30. Apr. 2017 14:51 Uhr
Orgel-Förderverein
Von der Absicht, ehemalige Mitsänger der Kantorei zu besuchen - Christoph Wilcken

Jetzt zum 3. Mal waren wir zu einer Orgelreise in Ostfriesland. Noch waren die Temperaturen nicht sehr frühlingshaft; auf das Fahrradfahren haben wir diesmal verzichtet. Aber die herzlichsten Grüße von Annette & Hajo und deren Kinder bringen wir natürlich gerne mit für alle, die die Familie aus den Jahren hier in der Gartenstadt kennen! Hajo hat den hiesigen Parkring-Verein mit gegründet und u.a. auch die Kleine Nachtmusik am Plantscher zu organisieren begonnen.

Von den 90 – inzwischen sehr hörenswert restaurierten – historischen Orgeln zwischen Wittmund und Emden haben wir nur 15 geschafft. Im kleinen Dorf hinterm Deich der Krummhörn steht das Instrument von 1472. Sofort nach der Rekonstruktion dieses alten Instrumentes haben die überragenden Orgelbauer Ahrend & Brunzema 1961 eine neue Orgel direkt in Aurich erbaut, die noch heute von Musikern aus aller Welt als ‚bahnbrechend‘ gerühmt wird.

Von den Ostfriesen lernen, heißt nicht nur, sich deren bekannte Witze zu erzählen (z.B. Warum hat der Ostfriese keinen Kühlschrank? – weil er nicht sicher ist, ob das Licht da drin wirklich ausgeht.). Hier breitete sich die Reformation schnell aus, weil Glaubensflüchtlinge aus Holland als Handwerker und Händler gerne aufgenommen und offiziell unterstützt wurden!

Um 1640 entdeckten die Reformierten, dass der kräftige Orgelsound dem Gemeindegesang sehr hilft! Und so steht in fast jedem Dorf ein historisches Instrument aus der Zeit zwischen 1640 bis 1890, eins neben dem anderen. Bereits in den 1960ern – als man in den Kirchen Instrumente baute, mit denen ‚möglichst alles‘ zu spielen sein kann, sendete Radio Bremen authentisch historische Orgelklänge, später kamen Orgel-Touristen aus aller Welt. Inzwischen sprechen wir von sog. Orgellandschaften: die norddeutsche, die französische oder italienische Orgel hat jeweils typische Klangmerkmale! Und da nicht die Orgeln, sondern nur die Musiker umherreisen können, nehmen sie die prachtvollen Klänge aus Norddeutschland als etwas besonders wertvolles mit in ihre Heimat zurück.

Selbstredend waren wir auch in die Werkstatt der Orgelmakerij van der Putten in Stapelmoor/Weener eingeladen. Die hatten ja unsere Schuke-Orgel in der Rundkirche im letzten Herbst überholt. Jetzt konnten wir die Rekonstruktion einer weiteren, kleinen ganz alten Orgel erleben; sie ist nur auf einem Altarflügel in Gent abgebildet und wurde nun – im Rahmen einer Doktorarbeit – als Auftrag eines niederländischen Museums hier zum Klingen gebracht.

Zusammen mit unseren Freunden verbrachten wir wunderschöne Tage in Ostfriesland – nicht nur mit Orgeln! Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft!


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