„Da sie den Stern sahen, ...

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Veröffentlicht von Christian Müller am Mi., 12. Dez. 2018 15:55 Uhr
Theologie

... wurden sie hoch erfreut.

Monatsspruch Dezember aus Matthäus 2,10

von Pfarrerin Elisabeth Mayer

Liebe Leserinnen und Leser,
ich lese den Monatsspruch für Dezember und habe sie vor Augen, die Weisen aus dem Morgenland, von denen da erzählt wird in der Weihnachtsgeschichte.

Ob sie selber Könige waren und ob sie wirklich Weihrauch, Gold und Myrrhe dabei hatten? Ich weiß es nicht. Aber ich sehe mit Staunen, dass sich da studierte, kluge Menschen auf den Weg gemacht haben, um einer alten Verheißung auf die Spur zu kommen und Gott zu finden. Sie sind einem Licht gefolgt, das sie zum Messias, dem gesalbten König und Erlöser der Welt führen sollte.

Zwei Verben stecken in diesem kurzen Spruch: „sehen“ und „hoch erfreut“ werden. Ist das nicht faszinierend? Etwas fällt auf unsere Netzhaut - ein Gegenstand, das Bild eines Menschen - und in einer Millisekunde schießt uns möglicherweise ein Gefühl durch Kopf und Herz. Ekel vor einer Spinne, Angst, wenn wir ein Auto auf uns zurasen sehen, Staunen und tiefe Freude bei einem Neugeborenen. Dessen können wir uns kaum erwehren. Bei den Weisen heißt es nicht „sie freuten sich”, sondern „sie wurden hoch erfreut”. Wie deutlich zeigt das, dass diese Freude nicht steuerbar ist, sondern von ganz tief unten kommt.

Die Weisen verbanden mit dem Stern eine Verheißung und eine Hoffnung, die endlich zu einem Ziel kam, als sie den Stern sahen. „...und sie wurden hoch erfreut.” Und sicher ging es da nicht um astrologische Zukunftsvorhersagen. Sondern um die Suche nach der Erfüllung einer tiefen Sehnsucht: das heil werden der so geschundenen Welt und das heil werden der eigenen verletzlichen Seele.

In den Wochensprüchen für die Adventstage spiegelt sich das Sehen und das Freuen wider. Und es wird zugleich gefüllt. Angereichert mit Verheißungen und Hoffnungen, nach denen sich auch heute viele Menschen auf der Welt aus tiefstem Herzen sehnen. 1. Advent: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.”
2. Advent: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.”
3. Advent: „Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.”
Dreimal ertönt der Ruf: „Siehe, seht!” Nur wer den Blick hebt und wach um sich schaut, kann etwas entdecken. Nur wer hofft, wird Zeichen wahrnehmen, dass etwas zu blühen beginnt.

Ob es irgendwann auf der ganzen Welt Gerechtigkeit geben wird, die Waffen schweigen und Menschen mit erhobenem Haupt, frei und erlöst von aller Pein, miteinander und füreinander da sein werden? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, das heißt, ich glaube fest, dass Gott durch die Geburt Jesu einen Anfang gesetzt hat. Dass er in die Welt gekommen ist als schwaches, unschuldiges Kind, um die tiefe, unaussprechliche Freude in uns zu wecken, wie sie nur ein Neugeborenes hervorbringen kann. Eine Freude, die nicht für sich bleibt, sondern Menschen ansteckt und verbindet, um Recht zu schaffen, Streit zu schlichten und den Frieden zu suchen.

Und so bereitet uns der Wochenspruch zum 4. Advent darauf vor und lädt uns ein, loszulaufen wie die Weisen und anzufangen mit dem Freuen, damit Gott sie dann vollkommen machen kann:
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!”

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