​ Zur Jahreslosung 2019

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Veröffentlicht am Do., 27. Dez. 2018 00:00 Uhr
Theologie

Meide das Böse und tue das Gute, suche Frieden und jage ihm nach.

Ps 34,15 - Jahreslosung für 2019

Ja, wo isser denn, der Kleine? Vielleicht brauchen wir eine Lupe, um ihn zu finden; er muss doch irgendwo sein! Schließlich wurde mit „ein bisschen Frieden” (zugegeben: das ist lange her) ein europäischer Liederwettbewerb gewonnen und eine ganze Menge Geld verdient.

Aber um ein wenig Frieden geht es David nicht, der dieses Wort im Rahmen des 34. Psalms ausspricht, als es zu politischen Auseinandersetzungen gekommen war.

Ein wenig Frieden gibt es eigentlich auch gar nicht; denn wo „ein bisschen Frieden” herrscht, da wütet noch immer ziemlich viel Krieg. Das ist leider keine alte Geschichte, sondern auch unsere Gegenwart: Seit Jahren kommt Syrien nicht zur Ruhe, und es steht zu befürchten, dass es eine Friedhofsruhe wird, wenn doch einmal die Waffen schweigen werden. Ähnliches gilt für die Ostukraine und für viele weitere Krisengebiete dieser Erde.

Unfriede herrscht - und nimmt zu - auch im Innern unserer Gesellschaft, seitdem 2015 einmalig eine sehr hohe Zahl an Menschen auf der Flucht durch eine humanitäre Geste in unser Land gelassen wurde, um sie aus menschenunwürdigen Verhältnissen zu erlösen (!), welche die Verweigerungshaltung der chauvinistischen Regierung in Ungarn hervorgerufen hatte.

Als hätten wir gar keine anderen Probleme mehr, widmet sich der öffentliche Diskurs
beinahe ausschließlich der Frage, wie Fluchtursachen zu bekämpfen seien, welche Elendsländer man auf die Liste der „sicheren Drittstaaten” setzen könne, um dann Asyl zu verweigern, und was man anstellen müsse, um möglichst viele Migrant*innen ohne Bleiberecht wieder loszuwerden.

Wehe dem, der etwa über bezahlbare Mieten, auskömmliche Renten oder die Abwendung der vollendeten Klimakatastrophe reden möchte! (Da bedarf es ja Lösungen und nicht nur der Empörung!)

Wir aber sollen - geleitet von der Jahreslosung - das Böse meiden, also die künstliche
Konfrontation, das Keifen ohne Kompromissbereitschaft. Wir sollen das Gute tun - und es gab einmal eine Zeit, in der man nicht erklären musste, worin das besteht. (Biblisch, in Stichworten: Was du möchtest, dass andere dir tun.)

Den Frieden kann man nicht suchen, wie man andere Dinge googelt. Man muss dem Frieden nachjagen, ihn festhalten, ganz schlicht: zum Frieden bereit sein, ihn tun. Ausgehen dürfen wir dabei von jenem Frieden, den Gott uns schenkt in Jesus Christus.

So segne, Gott, unser Tun, mache aus uns Leute, die Frieden stiften!

Pfarrer Stephan Schaar

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