Stell dir vor, es ist Kirche, und keiner geht hin...

© Stephan Schaar
Veröffentlicht von Stephan Schaar am Mo., 13. Jan. 2020 00:00 Uhr
Theologie

Zugegeben: Das ist nicht so recht witzig, denn das mit dem Krieg, zu dem keiner hingeht, war damals zwar ein guter Denkanstoß - aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?

So eine Parole führt allenfalls ein kämpferischer Atheist im Munde. Und so leer, wie unsere Kirchen oftmals sind, gehört noch nicht einmal allzu viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass “keiner hingeht”.

Allerdings: Geht man selber hin (man achte darauf, dass Leute, die am Gottesdienst teilnehmen, im Sprachgebrauch vieler “zur Kirche rennen”), dann ist es schon wieder vorbei mit der Imagination einer leeren Kirche. Denn man selber ist ja da, und ein paar andere sind ebenfalls gekommen.

Dies war nun aber kürzlich doch anders. Am ersten Sonntag nach Epiphanias waren um 9.30 Uhr in der Christ-König-Kapelle des Sankt-Joseph-Krankenhauses drei Personen versammelt, um ihren Dienst zu tun: ein Pfarrer, eine Kirchenmusikerin und ein Kirchdiener. Hinzu kam dann sage und schreibe 1 Person, die in der Absicht gekommen war, an der Feier des Gottesdienstes teilzunehmen.

Was wir nicht wissen, ist die Zahl derjenigen, die möglicherweise - und in diesem Fall vergeblich - in den Krankenzimmern darauf warteten, am Fernsehgerät den Gottesdienst mit feiern zu können.

Was tun?

Jesus sagt (anders als das traditionelle Judentum, das zehn erwachsene Männer / Menschen versammelt sehen will, wenn denn gemeinsam gebetet werden soll): “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.”

Bedeutet das, dass es gar nicht darauf ankommt, wie viele Menschen zum Gottesdienst zusammenkommen, wenn denn nur dafür gesorgt ist, dass es wenigstens drei Leute sind? Das ist ja in einer großen Stadt - siehe das obige Beispiel - gestaltbar.

Das läge durchaus auf der Linie seiner Antwort an Petrus, wie oft man verpflichtet sei, jemandem zu vergeben, der einen darum bittet - nämlich weder sieben Mal noch siebzig Mal, sondern 7 x 70 Mal, also immer wieder.

Mir kam es dennoch falsch vor, unter diesen Umständen Gottesdienst zu feiern. Und so sagten wir diesen Gottesdienst ab, obwohl alles vorbereitet war. Nur eben fehlten jene Menschen, ohne die man nicht davon sprechen kann, dass sich hier eine Gemeinde unter Gottes Wort versammelt habe. - Aber genau das ist es doch, was Gottesdienst ausmacht: Dass hier und heute die Frohe Botschaft gesagt und gehört und darauf in Worten und Taten geantwortet wird!

Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören; dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden (Amos 8, 11-12).

Ist es das, was am Ende unserer Gottesdienstvergessenheit stehen wird?

Das möge Gott verhindern, hofft

Stephan Schaar, Pfarrer

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